1997-04-14 3satNahezu jede Minute wird ein neuer Domain-Name registriert. Ursprünglich erfolgte die Vergabe der begehrten Internet-Adressen gebührenfrei und ganz nach dem Motto: »First come, first served«. Man konnte also ohne jede Begründung jeden beliebigen Namen anmelden. Konflikte zwischen Domain-Namen und Kennzeichenrechten blieben ungeprüft. Clevere Geschäftemacher haben die Bedeutung des Domainnamens für den Auftritt im Internet erkannt und reservierten sich Adressen wie »cebit.de«, »apple.com« oder »heidelberg.de«, um sie den wahren Inhabern später zum Kauf anzubieten. Rechtsanwalt Strömer erklärte in am 14. April 1997 in der Sendung »Neues ... die Computershow« bei 3SAT ob das zulässig ist.

Stimme aus dem Off:

Lassen Sie sich nicht entern! Domain-Piraten erobern das Netz. Nahezu jede Minute wird ein neuer Domain-Name registriert. Ursprünglich erfolgte die Vergabe der begehrten Internet-Adressen gebührenfrei und ganz nach dem Motto: »First come, first served«. Man konnte also ohne jede Begründung jeden beliebigen Namen anmelden. Konflikte zwischen Domain-Namen und Kennzeichenrechten blieben ungeprüft. Und auch eine Benutzungspflicht der registrierten Homepage bestand nicht. Clevere Geschäftemacher haben die Bedeutung des Domainnamens für den Auftritt im Internet erkannt und reservierten sich Adressen wie »cebit.de«, »apple.com« oder »heidelberg.de«, um sie den wahren Inhabern später zum Kauf anzubieten. Wer sich auf den Handel nicht einließ, zog vor Gericht. Allein dieser Mann hat sich rund 200 Domains gesichert. Ruft man die von ihm delegierten Seiten auf, stößt man - wenn überhaupt - nur auf Dummy-Seiten. Oder solche, die angeblich gerade im Aufbau sind.

Rechtsanwalt Tobias H. Strömer:

Ob sich das Geschäft lohnt, hängt auch ein bisschen vom Geschick desjenigen ab, der die Domains sammelt und dann weitergeben möchte. Es ist ja auch nicht jeder Fall so gelagert, daaa man die Domain einem anderen anbieten will. Man will ja häufig auch mit dieser Domain selbst etwas machen. Und da kann ich Ihnen sagen: da kann man im Internet sehr gutes Geld verdienen und das wird auch auf Dauer so bleiben.

Stimme aus dem Off:

Auch ein Multimedia-Unternehmen aus Stuttgart hat sehr schnell herausgefunden, daß es noch mehr Möglichkeiten gibt, mit dem Domain-Markt Geld zu verdienen. Auf dessen Homepage kann man, ähnlich wie auf einer Börse, seinen Domain-Namen, den man nicht mehr benutzen will, zum Kauf anbieten. Eines der teuersten Domain-Markt-Angebote beläuft sich auf 100.000 DM. Beim Verkauf erhebt das Unternehmen eine Vermittlungsgebühr in Höhe von 10-20 %. Verantwortung dafür, dass die angebotene Domain und deren Verkauf nicht die Namensrechte Dritter verletzt, wird jedoch nicht übernommen. Wem dies zu riskant ist, der wendet sich am besten gleich an den IV-DENIC, dem alle großen Provider angeschlossen sind.

André T. Scholz, Geschäftsführer Internet GmbH:

Der IV-DENIC, oder neuerdings die DENIC eG, ist zuständig für die Verwaltung der Top-Level-Domain ".de". Das heißt, sie vergibt und verwaltet alle deutschen Domain-Namen. Sie ist nicht zuständig für Leitungsgeschäfte und nicht zuständig für Zugänge.

Stimme aus dem Off:

Für den Zugang ist nämlich der zukünftige Homepage-Besitzer selbst zuständig. Am einfachsten kommt man über seinen Provider oder Online-Dienst zur eigenen Internet-Seite. AOL, T-Online und CompuServe zum Beispiel bieten ihren Kunden eine kostenlose Homepage an. Zusatzleistungen oder Hilfe bei der Gestaltung der Site darf man dann aber nicht erwarten. Außerdem wohnt man quasi zur Untermiete bei seinem Provider, was sich in der etwas unprofessionellen Namensgebung auswirkt. Die elegantere Variante - also eine Adresse mit eigenem Domain-Namen - ist bei kleineren Anbietern schon ab ca. 30 DM monatlich zu haben. Anträge auf die Registrierung einer solchen Domain können nur über einen Provider, der Mitglied im IV-DENIC, ist oder über die neutrale Inkasso-Stelle gestellt werden. Das geht ganz einfach: Online, schriftlich oder telefonisch.

Doch erst einmal sollte man herausfinden, ob die Wunschadresse noch verfügbar ist. Dazu startet man ganz einfach eine Suchanfrage auf der DENIC-Homepage. Falls die Adresse nicht mehr verfügbar sein sollte, erfährt man auch gleich, von wem sie besetzt ist.

André T. Scholz:

Wenn jemand sagt: "Ich habe Deinen Namen xybau.de beschlagnahmt und ich biete Dir den an für 20.000 DM, anderenfalls verkaufe ich den nach Argentinien, Mexiko oder sonstwohin und dann sollst Du mal sehen, wie Du an den Namen kommst", in solchen Fällen rate ich dringend, mit uns Kontakt aufzunehmen.

Stimme aus dem Off:

Der DENIC ist Ihnen behilflich, wenn Sie gegen die Domain-Grabber gerichtlich vorgehen. Aber Vorsicht: Das lohnt sich nur, wenn Sie aufgrund Ihres Namens, Produkts oder Firma ein Anrecht auf den Domain-Namen haben.